Frauennetzwerk zur Arbeitssituation
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Sexarbeit – was ist das?

Zum Begriff

In Anlehnung an die Hurenbewegung verwenden wir den Begriff Sexarbeit. Damit wollen wir uns von einer stigmatisierenden Perspektive auf Prostitution abgrenzen und deutlich machen, dass Prostitution eine Arbeit ist, mit der bestimmte Arbeitsbedingungen verbunden sind.

Auch ist uns eine begriffliche Abgrenzung von Prostitution bzw. Sexarbeit, Frauenhandel in die Prostitution und ›Zwangsprostitution‹ wichtig, um Sexarbeit gegenüber (sexualisierter) Gewalt abzugrenzen.

Prostitution ist Arbeit – ist Sexarbeit.

Wir sehen Sexarbeit als eine soziale Dienstleistung, die der Befriedigung des Bedürfnisses nach zwischenmenschlichem Kontakt und sexueller Aktivität dient.

Über die Form und das Ausmaß der sexuellen Dienstleistung entscheiden die Sexarbeiter*innen ebenso wie über den Ort an dem sie ihren Service anbieten und mit welchem/r Kunden/Kundin sie ins Geschäft kommen möchten.

Sexuelle Dienstleistungen unterliegen einer konsensualen Vereinbarung und stehen in einem monetären Austauschverhältnis wie jede andere soziale Dienstleistung auch, die auf dem Arbeitsmarkt erscheint.

Sexarbeit wird in den unterschiedlichsten Bereichen sozialer Dienstleistungen geleistet und in unterschiedlichster Form ausgeübt wie zum Beispiel als Domina, als Tantra Erotik Masseurin, als Sexualassistenz, als Prostituierte auf der Straße, in einer Bar oder in einem Love Mobil.

Sexarbeiter*innen sind angestellt oder selbstständig im Bereich der sexuellen Dienstleistungen tätig. Sie arbeiten an einem festen Ort oder mobil an verschiedenen Orten. Die Herstellung einer professionellen – (vertraglich) vereinbarten – sexuellen befristeten Beziehung erfordert ein breites Kompetenzprofil. Sexarbeiter*innen sind Expert*innen im Bereich Sexualität, Erotik, Parodie, Unterhaltung. Sie verfügen über Schlüsselqualifikationen im Bereich der Verhandlung und Durchsetzung, Kundenakquise, sexuellen Gesundheit, im Umgang mit unterschiedlichen Körpern und Charakteren und schließlich in der Bewältigung von belastenden Situationen wie dem Tragen des Stigmas.

Wir betrachten Sexarbeit zudem als prekäre Arbeit, also als Arbeit unter oftmals schwierigen Bedingungen. Denn Sexarbeit ist nicht mit anderen Berufen arbeitsrechtlich gleichgestellt und ist durch gesellschaftliche Stigmatisierung gekennzeichnet.

Das derzeit noch geltende Prostitutionsgesetz zur Verbesserung der rechtlichen und sozialen Bedingungen von Prostituierten ermöglicht zwar einen Anspruch auf einen einklagbaren Lohn und einen Zugang zu gesetzlichen Sozialversicherungen und das Bereitstellen von guten Arbeitsbedingungen. Doch behält Prostitution ihren Sonderstatus alleine dadurch, dass das Prostitutionsgesetz ein Sonderrecht darstellt, welches ausschließlich auf eine/diese Berufsgruppe zielt. Außerdem lassen sich bspw. über die Sperrgebietsverordnungen örtliche und zeitliche Zonen des Verbots der Ausübung von Prostitution einrichten. Ebenso kann die gesetzliche Steuerreglung zu einem finanziellen Nachteil von Sexarbeiter*innen ausgelegt werden.

Das ab 1. Juli 2017 geltende Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) wird gegenwärtig in der Bundesregierung verhandelt. Zentrale Aspekte sind dabei:

  • eine Anmeldepflicht
  • eine Kondompflicht
  • eine Verpflichtung zu gesundheitlichen Untersuchungen
  • eine Anhebung des Mindestalters auf 21 Jahre

Stellungnahme zum Prostituiertenschutzgesetz vom Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter e.V.

(BUFAS) http://www.bufas.net/aktuelles/

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